Der Ethikunterricht in Österreich

 

„Was ist Ethik?“ - Diese Frage stellt sich wohl, wenn vom Ethikunterricht gesprochen wird. Und noch eine weitere Frage: „Welche Ethik wird einem solchen im Unterricht vermittelt?“ Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf hier Antworten zu bekommen.

Was sagt die Fachwelt und was steht in den österreichischen Lehrplänen und ihren Bildungszielen?

In der Ethik geht es, so meint Univ.-Prof. Dr. Hans Küng, um die „philosophischen oder theologischen Lehren von Werten und Normen, die unsere Entscheidungen und Handlungen leiten sollen.“

Im aktuellen Evaluationsbericht (1999/2000) von Univ.-Prof. Dr. Anton Bucher über den „Ethikunterricht in Österreich“ werden die Ziele und Lehrpläne des laufenden Schulversuchs Ethik in den 5.-8.Klassen der allgemein- und berufsbildenden höheren Schulen in folgender Weise beschrieben:

Es gibt neun Lehrpläne in Österreich, wobei sich viele inhaltlich an den Salzburger Lehrplan annähern. „Dieser Lehrplan differenziert vier Leitthemen: Entwicklung von Ich-Identität (1) und Sozialität (2), Mit- und Umwelt (ökologische Ethik) (3), das Ethos der Weltreligionen (4).“

Alle Lehrpläne begründen die Notwendigkeit dieses Faches im Schulunterrichtsgesetz (§ 2 SchOG).

„Mehrheitlich“ sehen sie das Ziel des Ethikunterrichts „in der vernunftverpflichteten Förderung ethischer Reflexion, aber auch in der Erarbeitung von Kenntnissen über die anderen Religionen, um Toleranz und Wertschätzung zu fördern, sowie in der Einübung diskursiver und sozialer Fähigkeiten.“

„Mehrheitlich orientieren sich die Lehrpläne an den nicht pluralisierbaren Grund- und Menschenrechten, auf denen unsere Demokratie fundiert ist.“

Die Lehrpläne mahnen die Unterrichtenden „hinsichtlich kontroverser ethischer Fragen… zu Neutralität bzw. dazu an, SchülerInnen zu einem eigenständigen Urteil zu befähigen, das sich dem Diskurs aussetzen muss.“

Die Lehrpläne fordern auch von den LehrerInnen „Zurückhaltung…bei der Behandlung der Weltreligionen; über diese soll im Sinne von Religionskunde primär informiert werden, was auch im Religionsunterricht so geschieht.“

Es geht also im Unterricht darum, den jungen Menschen Werte zu vermitteln, die sie anregen sollen, selbständig Anworten auf die Fragen zu finden: „Was soll ich tun? – Wie soll ich handeln?“

Die Zahl der heutigen „Wert-anbieter“ ist groß mit subtilen Slogans, wie „Armut ist eine Schande!“, „Geiz ist geil!“, „Frechheit siegt!“,… Die Medien transportieren vielfach solche unkritschen Aussagen (z.B. in der Werbung) aus den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft.

Durch Widersprüchlichkeiten und Überheblichkeit in ihrem Handeln in der Vergangenheit haben die Religionen als große Träger der Werte in der Gegenwart viel an echter Überzeugungskraft verloren und sich selbst damit an den Rand des gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozesses gestellt. Zu wenig klar haben sie sich für mehr Menschlichkeit, Freiheit und Toleranz im Alltag, sowie in und außerhalb ihrer Religionsgemeinschaft eingesetzt. So werden die Religionen in der Zukunft durch gemeinsamen Einsatz für den Frieden, gegen den Hunger, für mehr Gerechtigkeit in der Welt ein Beispiel geben müssen, um die Menschen von innen her zu überzeugen.

In dieser gesellschaftlichen Situation steht auch die Jugend vor der Aufgabe, zu einem „eigenständigen Urteil“ in „ethischen Fragen“ zu kommen, die sich im Alltag oft spontan für sie stellen.

Daher tragen nicht nur Eltern und Erzieher für die ethische Wertorientierung ihrer Kinder, sondern vor allem die Gesellschaft im Allgemeinen und im Besonderen Schule und Politik dahingehend große Verantwortung, dass der Ethikunterricht nicht nur ins gesamte Unterrichtswesen integriert wird, sondern dass man auch für seine effiziente Weiterentwicklung Sorge trägt, damit die Jugend in eine hoffnungsvolle Zukunft blicken und sie positiv mitgestalten kann.

Mag. Johannes Dietl-Zeiner
Köstendorf, 27. Juni 2007

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